Stefanie Giesder

Heimat I: Daheimgeblieben

Kunigunde Fichtl (geb. 1921):
„Ich bin aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof mit Mutter, Tante, einem Knecht und vielen Tieren in ärmlichen Verhältnissen. Habe schon als Kind viel mitarbeiten müssen und bis ins hohe Alter gearbeitet, bis es nicht mehr ging. Es mußte alles mit der Hand gemacht werden, im Stall, auf dem Feld, mit 2 Pferden, ohne Traktor und Maschinen.
Wir kamen nicht oft fort aus Seestall. Zweimal im Jahr auf einen Jahrmarkt nach Landsberg und einmal im Jahr zu Onkel und Tante nach Burggen bei Schongau. Die hatten ein Wirtshaus und mehr Geld. Da war die Freude groß! Sie haben uns immer unterstützt und finanziell geholfen.
Meine Tochter bekam 4 Kinder. Wir alle lebten weiter unter einem Dach zusammen und waren zufrieden. Jeder wurde gebraucht, der Bauernhof musste erhalten bleiben.
Heimat ist für mich, der Ort an dem ich geboren bin und immer gebraucht wurde. Ich wollte nie woanders leben. Das habe ich von meiner Familie übernommen und auch an meine Tochter so weitergegeben.
Heimat ist für mich die Familie, das Elternhaus, die Tiere, die gewohnte Umgebung, die Leute im Dorf. Hier alt zu werden und zu Hause von der Familie versorgt zu sein, das ist das Schönste für mich.
Heimat ist für mich auch, wenn ich erleben darf, dass das Elternhaus über Generationen erhalten bleibt und nicht in fremde Hände fällt.“